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Die Geschichte von Bayer
Am Anfang stehen eine Männerfreundschaft, viel Forschergeist und zwei Küchenherde. Auf denen experimentieren der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott – und finden heraus, wie man den Farbstoff Fuchsin herstellt. 1863 gründen sie in Barmen die Firma „Friedr. Bayer et. comp.“ – ein Start-Up des 19. Jahrhunderts mit einem Riesen-Potenzial.
Hier erzählen wir die Geschichte des Unternehmens:
1863–1881: Die Gründerjahre
Am 1. August 1863 gründeten der Farbstoffhändler Friedrich Bayer und der Färbermeister Johann Friedrich Weskott in Barmen - heute ein Stadtteil von Wuppertal - die Offene Handelsgesellschaft „Friedr. Bayer et comp.“ Zweck des Unternehmens war die Herstellung und der Verkauf von synthetischen Farbstoffen.
Stammhaus von "Friedr. Bayer et comp." in Barmen
Die Gewinnung dieser Farbstoffe aus Steinkohlenteerderivaten war erst einige Jahre zuvor erfunden worden und erschloss der noch jungen chemischen Industrie ein neues Arbeitsgebiet. Ihr Markt war die Textilindustrie, die im Zuge der Industrialisierung rasch wuchs. Die bis dahin verwendeten natürlichen Farbstoffe waren knapp und teuer. Neue Erfindungen wie die Synthese des roten Farbstoffs Alizarin und die große Nachfrage nach Teerfarbstoffen führten zu einem Gründerboom. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Farbstofffabriken, doch nur innovative Unternehmen mit einer eigenen Forschung und der Fähigkeit, die Chancen auf dem internationalen Markt zu nutzen, setzten sich auf Dauer durch. Bayer gehörte dazu.
Gründung der Aktiengesellschaft
Das finanzielle Fundament für die Expansion bildete 1881 die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“ Das beachtliche Wachstum des Unternehmens in den Gründerjahren zeigte sich auch in der Zahl der Mitarbeiter, die von drei im Jahr 1863 auf über 300 im Jahr 1881 angestiegen war.
Download: Bayer Story: Meilensteine 1863-1988
1881–1914: Der Weg zum internationalen Unternehmen
In der Zeit von 1881 bis 1913 entwickelte sich Bayer zu einem international tätigen Chemieunternehmen. Farbstoffe blieben zwar immer noch der größte Geschäftsbereich, doch kamen neue Geschäftsfelder hinzu. Grundlegende Bedeutung für die weitere Entwicklung des Unternehmens hatte der Aufbau einer leistungsfähigen Forschung durch Carl Duisberg. In Elberfeld – von 1878 bis 1912 auch Firmenzentrale – entstand ein Wissenschaftliches Laboratorium, das für die Industrieforschung Maßstäbe setzte. Ergebnisse der Bayer-Forschung waren zahlreiche Zwischenprodukte, Farbstoffe und Arzneimittel, darunter das von Felix Hoffmann entwickelte und 1899 auf den Markt gebrachte Jahrhundert-Pharmakon Aspirin™.
Forschungslaboratorium in Elberfeld um 1890
Die Pharmazeutische Abteilung wird gegründet
Bereits 1888 hatte Bayer eine Pharmazeutische Abteilung eingerichtet, die einen zunehmend größeren Anteil vom Gesamtumsatz erwirtschaftete. In diese Zeit fällt auch die Aufnahme der Herstellung von organischen Grund- und Zwischenprodukten für Farbstoffe und Arzneimittel sowie von anorganischen Chemikalien. 1904 begann Bayer mit der Herstellung von Fotochemikalien - Entwickler für Filme - und 1906 wurden Forschungsarbeiten zur Kautschuksynthese aufgenommen.
Internationale Präsenz
Ein entscheidendes Fundament für die Unternehmensentwicklung war der Aufbau einer weltweiten Vertriebsorganisation. Schon in der Gründerzeit lieferte das Unternehmen Farbstoffe in viele Länder. Bereits 1865 war ein Vertreter für Bayer in den USA tätig gewesen. Wenige Jahre später erwarb man eine Beteiligung an einer Teerfabrik in Albany im Bundesstaat New York. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Beteiligungen im Ausland hinzu, um die Stellung auf wichtigen Märkten abzusichern und auszubauen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg besaß das Unternehmen Tochtergesellschaften in Russland, Frankreich, Belgien, Großbritannien und den USA. Von den etwa 10.000 Menschen, die Bayer 1913 beschäftigte, arbeiteten fast 1.000 an den ausländischen Standorten. Mehr als 80 Prozent des Umsatzes stammten aus dem Export.
Bayer-Kreuz
Zum internationalen Erfolg der Bayer-Produkte trug auch das 1904 eingeführte neue Firmenlogo bei: Das Bayer-Kreuz.
Historische Bayer Logos
Leverkusen wird Firmensitz
Der Standort Elberfeld erwies sich im Laufe der Jahre für die stetige Expansion als zu klein. Deshalb hatte Bayer 1891 zunächst die Alizarinrot-Fabrik von Dr. Carl Leverkus & Söhne nördlich von Köln und später weiteres Gelände am Rhein hinzugekauft. Nach Plänen Duisbergs, der das Unternehmen von 1912 bis 1925 als Generaldirektor leitete, baute Bayer diesen Standort ab 1895 systematisch aus. 1912 wurde Leverkusen Firmensitz.
1914–1925: Der erste Weltkrieg und seine Folgen
Der Erste Weltkrieg unterbrach die glänzende Entwicklung. Die großen Exportmärkte gingen weitgehend verloren, und entsprechend sank der Absatz von Farbstoffen und Medikamenten. Bayer wurde in steigendem Maße in die Kriegswirtschaft eingegliedert und stellte nun verstärkt Kriegsmaterial, darunter auch Sprengstoffe und chemische Kampfstoffe, her. Während des Krieges nahm 1917 das dritte deutsche Bayerwerk in Dormagen den Betrieb auf.
Unruhige Jahre
Die Bilanz des Krieges war verheerend. Das Auslandsvermögen ging weitgehend verloren, und die Exportmärkte blieben zum großen Teil versperrt. In Russland wurde die Tochterfirma infolge der Russischen Revolution enteignet. In den USA wurde 1917 das Firmenvermögen einschließlich der Patente und Warenzeichen beschlagnahmt und anschließend an Konkurrenten weiterverkauft. 1919 erreichte der Umsatz nur noch zwei Drittel des Wertes von 1913. Die Inflation zehrte die finanziellen Reserven auf, und im Jahr 1923 zahlte Bayer zum zweiten Mal nach 1885 keine Dividende.
Die unruhigen Jahre nach der Niederlage im Krieg, von der Novemberrevolution bis zur Stabilisierung in Deutschland 1923/24, konnten nur dank der guten Zusammenarbeit von Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretungen relativ ruhig überstanden werden.
Die Anfänge des Pflanzenschutzes
In den Krisenjahren wurde für die modernen und industrialisierten Gesellschaften die Bedeutung einer ausreichenden Versorgung mit Nahrungsmitteln offensichtlich. Hier ergaben sich auch neue Chancen für forschende Unternehmen. Nachdem in Elberfeld schon im Jahr 1892 ein erstes Präparat für den Forstschutz entwickelt worden war, hatte Bayer 1915 auch ein Saatgutbeizmittel auf den Markt gebracht. Eine systematische Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Pflanzenschutzmittel begann nun mit der Einrichtung einer Pflanzenschutzversuchsabteilung in Leverkusen ab Anfang der 1920er Jahre.
Werbeplakat für das Saatgutbeizmittel Uspulun, um 1920
1925–1945: Die Zeit der I.G. Farbenindustrie AG
Fusion zur I.G. Farbenindustrie AG
Nach der Stabilisierung der Weltwirtschaft Mitte der 1920er Jahre wurde klar, dass die deutsche Farbstoffindustrie ihre alte Stellung auf dem Weltmarkt nicht wiedergewinnen konnte. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und neue Märkte zu gewinnen, entschlossen sich sechs deutsche Unternehmen 1925 zum Zusammenschluss in der „Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG“, oder kurz: „I.G. Farben“. Wie die anderen Firmen übertrug Bayer sein Vermögen auf die I.G. Farben und wurde als eigenständiges Unternehmen im Handelsregister gelöscht.
Die alten Bayer-Werke Elberfeld, Leverkusen und Dormagen sowie das Werk der Chemische Fabriken vorm. Weiler-ter Meer in Uerdingen wurden zur sogenannten Betriebsgemeinschaft Niederrhein innerhalb der I.G. Farben zusammengefasst. Leverkusen wurde außerdem zum Standort der Verkaufsgemeinschaft Pharma der I.G. - mit dem Bayer-Kreuz als Markenzeichen.
Die I.G. Farben und der Zweite Weltkrieg
Seit 1936 zielte die Politik des nationalsozialistischen Regimes systematisch auf die Vorbereitung des Krieges. Als schließlich 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, stufte das Regime die Werke der Betriebsgemeinschaft Niederrhein als einen der „kriegs- und lebenswichtigen“ Betriebe der deutschen Wirtschaft ein. Die I.G. Farben profitierte wirtschaftlich massiv, sah die Möglichkeit zu neuem Aufschwung und erhöhte die Produktion. Gleichzeitig wurde ein Großteil der männlichen Belegschaft zur Wehrmacht eingezogen.
Zwangsarbeit in den I.G.-Werken der „Betriebsgemeinschaft Niederrhein“
Für den Erhalt und den Ausbau der Produktionskapazitäten setzte die I.G. Farben auch in der Betriebsgemeinschaft Niederrhein ab 1940 zunehmend Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern Europas ein. Zeitweise machten sie bis zu einem Drittel der Belegschaft aus.
Insgesamt wurden in den Niederrheinwerken während des Krieges rund 16.000 Menschen eingesetzt. Vor allem aus Polen, der Ukraine und weiteren osteuropäischen Ländern wurden Tausende gegen ihren Willen und unter unmenschlichen und diskriminierenden Bedingungen zum Arbeitseinsatz gezwungen. Die jüngsten waren 14, die ältesten knapp 50 Jahre alt.
Einen bedeutenden Teil machten zudem Personen aus West- und Nordeuropa aus. Darunter Menschen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien und Dänemark.
Erinnerungsort für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter
Um eine von Erinnerung und Auseinandersetzung geprägte Unternehmenskultur zu verankern, hat Bayer direkt neben seinem Hauptsitz in Leverkusen einen Erinnerungsort zum Gedenken an die Opfer von Zwangsarbeit an den Niederrheinstandorten der I.G. Farben während des Zweiten Weltkriegs errichtet.
Dr. Hans Finkelstein: Die I.G. und die Verdrängung von jüdischen Mitarbeitenden
Dr. Hans Finkelstein (1885-1938) war wissenschaftlicher Forschungsleiter der früher selbständigen Firma „Chemische Fabriken vorm. Weiler - ter Meer“ in Uerdingen, die wie die „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“ mit ihren Werken Leverkusen, Elberfeld und Dormagen im Jahr 1925 in der neugegründeten I.G. Farbenindustrie AG aufging. Sein Schicksal steht stellvertretend für Menschen mit jüdischem Hintergrund oder jüdischer Religionszugehörigkeit.
Dr. Hans Finkelstein im Gespräch. Laboransicht aus dem Werk Uerdingen, 1932.
Finkelstein hatte als junger Wissenschaftler die heute noch bekannte “Finkelstein-Reaktion” entwickelt. 1911 trat er bei Weiler-ter Meer als Chemiker ein. Im obligatorischen Fragebogen für Akademiker trug er unter der Rubrik „Religion“: evangelisch-lutherisch ein. Er wurde Leiter des wissenschaftlichen Laboratoriums und erhielt Prokura. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und den „Nürnberger
Rassengesetzen“ wurde er als „Jude“ und „Nichtarier“ definiert. Er stammte aus einer liberalen jüdischen Familie. Obwohl er als Zehnjähriger zum Protestantismus konvertiert war, veranlassten die NS-Stellen seinen Austritt aus dem Unternehmen und forderten seinen Reisepass ein. Dieses Schicksal ereilte Hans Finkelstein Mitte 1938, nachdem er zuvor bereits diskriminiert worden war. Verbittert und zutiefst desillusioniert wählte er Ende Dezember 1938 im Uerdinger Stadtpark den Freitod. Mit seiner Ehefrau Annemarie hatte er drei Kinder. Sein Sohn Berthold leistete später als sogenannter „Halb-Jude“ im selben Betrieb Zwangsarbeit.
Hans und Berthold Finkelstein Stiftung: Link
Die I.G. Farben und das KZ Buna-Monowitz
Im Zweiten Weltkrieg ließ die I.G. Farben ab 1941 in unmittelbarer Nähe zum Konzentrationslager Auschwitz eine chemische Fabrik zur Produktion von Buna errichten, einem für die Kriegswirtschaft wichtigen synthetischen Kautschuk. Neben deutschen Fachkräften setzte das Unternehmen für den Bau der Anlage tausende Häftlinge aus dem KZ Auschwitz ein. Dazu kamen Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus ganz Europa. Um die Arbeitskräfte auf der damals größten Baustelle des ”Dritten Reiches” unterzubringen, errichtete der I.G. Farben-Konzern ab 1942 in Zusammenarbeit mit dem NS-Regime das firmeneigene KZ Buna-Monowitz. Durch die unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen kamen dort massenhaft Menschen zu Tode oder wurden in den nahegelegenen Gaskammern in Auschwitz-Birkenau ermordet, sobald sie nicht mehr arbeitsfähig waren. Die Lebenserwartung der Insassen lag bei weniger als vier Monaten und über 25.000 Menschen starben allein auf der Baustelle.
1945–1951: Zwischen I.G. Farben-Prozess, vorzeitiger Entlassung und Neugründung
Zum Ende des Krieges kam es auch am Niederrhein zur Befreiung durch amerikanische Truppen. Kurz darauf übernahm die britische Militärregierung die vollständige Kontrolle über die Niederrheinwerke. Im November 1945 beschlagnahmten die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges die I.G. Farben. Die Gemeinschaft wurde aufgelöst, ihr Vermögen für Reparationsansprüche zur Verfügung gestellt.
Im August 1947 begannen im Rahmen der Nürnberger Prozesse auch die Verhandlungen gegen Verantwortliche der I.G. Farben. Es war ein Novum: Zum ersten Mal wurde – genau wie in den parallelen Flick und Krupp-Prozessen – die ethische und rechtliche Verantwortung von Wirtschaftsführern für Krieg und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gerichtlich verhandelt. Insgesamt mussten sich 23 leitende Angestellte der I.G. Farben vor den Nürnberger Militärtribunalen verantworten.
Am 30. Juli 1948 wurden 13 der Angeklagten zu Gefängnisstrafen verurteilt, während die restlichen zehn auf Grund der Beweislage freigesprochen wurden. Kein Vertreter der I.G. Farben gab vor Gericht eine Bereitschaft zu erkennen, sich den eigenen Verstrickungen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. Sämtliche zu Haftstrafen verurteilten Angeklagten wurden später vorzeitig aus der Haft entlassen. Die meisten waren innerhalb kürzester Zeit wieder in leitenden Positionen in Unternehmen tätig, darunter auch Fritz ter Meer, der zuvor wegen „Plünderung und Raub“ sowie „Massenmord und Versklavung“ zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war.
Fritz ter Meer und der Umgang mit Verantwortung
Fritz ter Meer hatte 1947 auf Schloss Kransberg im Taunus, in dem die Alliierten ihn vor dem Prozess mit anderen I.G.-Verantwortlichen interniert hatten, ein Narrativ zur Haltung und zu den Handlungen der Verantwortlichen der I.G. Farben entworfen, das als sogenannte „Kransberger Denkschrift“ erhalten ist. Das Leiden der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wird in diesem Dokument nicht erwähnt, ebenso wenig die strategische Rolle der I.G. Farben in der NS-Zeit. Stattdessen zeichnet die Denkschrift ein Bild von friedlichen, patriotischen Geschäftsleuten und Wissenschaftlern, die selbst Opfer des nationalsozialistischen Regimes wurden.
Zwischen 1956 und 1964 war der Chemiker und Manager Fritz ter Meer Aufsichtsratsvorsitzender der Farbenfabriken Bayer AG und Aufsichtsratsmitglied in mehreren Unternehmen.
Neugründung
Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen die Werke der Betriebsgemeinschaft Niederrhein in der britischen Besatzungszone. Sehr bald genehmigte die Besatzungsbehörde die Wiederaufnahme der Produktion, weil die Produkte der chemischen Industrie für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar waren.
Zunächst hatten die alliierten Militärregierungen die Aufgliederung der I.G. Farben in möglichst viele kleine Unternehmen geplant, die aber auf dem Weltmarkt und selbst in Deutschland kaum lebensfähig gewesen wären. Diese Erkenntnis setzte sich schließlich auch bei den Alliierten durch. So entstanden auf der Grundlage der alliierten Gesetzgebung in der Bundesrepublik zwölf konkurrenzfähige neue
Unternehmen.
Darunter befand sich auch die Farbenfabriken Bayer AG, die am 19. Dezember 1951 neu gegründet wurde. Ihr wurden die Werke Leverkusen, Dormagen, Elberfeld und Uerdingen zugeordnet. Außerdem erhielt Bayer als Tochtergesellschaft die 1952 neu gegründete Agfa, Aktiengesellschaft für Fotofabrikation.
1951–1974: Reconstruction and "Wirtschaftswunder"
Der Wiederaufbau von Bayer ist eng mit dem „Wirtschaftswunder“ in der Bundesrepublik verbunden. Als Folge des Zweiten Weltkrieges hatte Bayer zum zweiten Mal sein Auslandsvermögen verloren, einschließlich des wertvollen Patentbesitzes und der Markenrechte. Es war klar, dass das Auslandsgeschäft lebenswichtige Bedeutung hatte, und so begann man bereits 1946, noch unter alliierter Kontrolle, mit dem Wiederaufbau des Vertriebs im Ausland. Ab den 1950er Jahren konnte Bayer dort auch wieder Beteiligungen erwerben. Die Schwerpunkte dieses Engagements lagen zunächst in den USA und in Lateinamerika.
Zur gleichen Zeit durchlief die chemische Industrie einen grundlegenden Wandel. Bildete bis dahin die Kohle die Grundlage für viele chemische Prozesse, so wurde nun Erdöl immer wichtiger. Diese Transformation hin zur Petrochemie fand bei Bayer im Jahr 1957 ihren Ausdruck in der Gründung der Erdölchemie GmbH zusammen mit der Deutschen BP. Auch in anderen Bereichen ging Bayer strategische Partnerschaften ein, um seine Position zu stärken. So gründete Bayer 1958 mit Monsanto das gemeinsames Joint-Venture Unternehmen Mobay zur Herstellung von Polurethanen und 1964 schlossen sich die beiden größten Fotoproduzenten Europas zur Agfa-Gevaert AG zusammen.
Forschung und Entwicklung tragen Früchte
Neben dem gezielten Wiederaufbau des Auslandsgeschäfts und dem Ausbau von strategischen Partnerschaften bildete vor allem die Forschung die Grundlage für die positive Geschäftsentwicklung in den 1950er und 1960er Jahren. Der Ausbau der Polyurethanchemie, neue Pflanzenschutzmittel, Fasern wie die Polyacrylnitrilfaser Dralon, der thermoplastische Kunststoff Makrolon, neue Farbstoffe für Synthesefasern und viele andere Erfindungen trugen zur Expansion des Unternehmens bei. Neue Medikamente wie Herz-Kreislauf-Mittel, Präparate zur Bekämpfung von Pilzerkrankungen der Haut und breit wirksame Antibiotika prägten die Pharmaforschung bei Bayer.
Werk Leverkusen im Jahr 1963
Im Jahr 1963 hatte Bayer bereits wieder knapp 80.000 Mitarbeiter, und der Umsatz erreichte rund 4,7 Mrd. DM. Das weitere rasche Wachstum und die zunehmende Vielzahl an Produkten machten eine Neuorganisation des Konzerns erforderlich, die 1971 in Kraft trat. Eine divisionale Spartenorganisation löste die Anfang der fünfziger Jahre geschaffene funktionale Organisation ab. Ausdruck der Diversifizierung des Unternehmens in eine breite Palette chemischer Produkte war die Streichung des Namensbestandteils „Farbenfabriken“ ab 1972.
1974–1988: Ölpreiskrise und Konsolidierung
Die Ölpreiskrise 1973/74 beendete die Zeit des „Wirtschaftswunders“ endgültig. Innerhalb weniger Monate vervielfachten sich die Preise für Chemierohstoffe aus Erdöl. Auch Bayer war von dieser Entwicklung betroffen. Einen Tiefpunkt erreichte die Krise Anfang der 1980er Jahre, als es zu einer weltweiten schweren Rezession kam.
Ausbau des Auslandsgeschäfts
Trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen verfolgte Bayer seine bisherige Strategie und baute sein internationales Engagement mit Schwerpunkten in Westeuropa und den USA weiter aus. 1974 erfolgte in den USA die Übernahme von Cutter Laboratories Inc. und 1978 von Miles Laboratories Inc. Damit konnte Bayer eine bedeutende Position auf dem US-Pharmamarkt gewinnen.
Ausbau der Pharma- und Pflanzenschutz-Forschung
Auch die Forschungsanstrengungen wurden weiter intensiviert. Pharma- und Pflanzenschutzforschung wurden kontinuierlich ausgebaut. 1979 begann man mit dem Bau des großen Pflanzenschutzzentrums in Monheim, das Investitionen von etwa 800 Mio. DM erforderte und 1988 fertiggestellt werden konnte. Im gleichen Jahr wurde das Pharma-Forschungszentrum in West Haven, Connecticut, eingeweiht. Erfolgreiche Produkte der Bayer-Forschung waren in diesen Jahren beispielsweise das Herz-Kreislaufmittel Adalat™ (1975), das Medikament Ciprobay™ (1986) als erstes Breitspektrum-Antibiotikum aus der Klasse der Chinolone von Bayer oder auch das Pflanzenschutzmittel Bayleton™ (1976) gegen Schadpilze in der Landwirtschaft. Beim Umsatz zeigte sich eine deutliche Strukturverschiebung. Besonders expandierten in den 1970er Jahren die Sparten Pharma, Pflanzenschutz sowie Kunststoffe und Lackrohstoffe.
Umweltschutz bei Bayer
In den 1970er Jahren verstärkte sich in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für Umweltprobleme. Auch Bayer intensivierte seine Bemühungen im Umweltschutz. 1971 wurde die größte industrielle Kläranlage Europas von Bayer in Dormagen in Betrieb genommen. 1980 wurde die Bayer-Turmbiologie zur biologischen Abwasserklärung in Leverkusen fertiggestellt.
Die Anstrengungen auf dem Gebiet des Umweltschutzes fanden ihren Niederschlag auch in der drastischen Senkung der Emissionen. Zwischen 1977 und 1987 sank der Anteil der Schwermetalle im Wasser um 85 bis 99 Prozent, und die Schadstoffemissionen in die Luft reduzierten sich um 80 Prozent. Die Selbstverpflichtung zum Umweltschutz drückte sich auch bei den Investitionen aus. 1987 beschloss die Unternehmensleitung, in den folgenden drei bis fünf Jahren rund drei Milliarden DM für den Umweltschutz aufzuwenden.
1988 bestand das Unternehmen 125 Jahre. Der Konzernumsatz betrug in diesem Jahr rund 40 Mrd. DM und weltweit waren mehr als 165.000 Menschen bei Bayer beschäftigt. Im gleichen Jahr wurde die Bayer AG als erstes deutsches Unternehmen an der Börse in Tokio notiert.
1988–2001: Transformation und Globalisierung
Die 1990er Jahre waren erneut von einem tiefgreifenden Strukturwandel geprägt. Die Globalisierung der Wirtschaft stellte auch für Bayer eine Herausforderung dar.
Im Gefolge der politischen Umwälzungen in Deutschland und Osteuropa nach 1989 widmete sich das Unternehmen verstärkt diesen vielversprechenden Märkten. So wurde bereits 1992 in Bitterfeld der Grundstein für ein neues Bayerwerk gelegt, das 1994 die Produktion von Aspirin™ aufnehmen konnte.
Bayer Bitterfeld, 1995
Die Bedeutung von Nordamerika für den Konzern nahm weiter zu. In Kanada übernahm Bayer 1990 die Polysar Rubber Corporation mit Sitz in Toronto. Die bis dahin bedeutendste Akquisition in der Unternehmensgeschichte machte Bayer weltweit zum größten Rohstoffhersteller im Kautschuksektor. Mit einer weiteren Indikation (Thromboseprophylaxe) nahm die Weltgesundheitsorganisation WHO den Aspirin™-Wirkstoff Acetylsalicylsäure erneut in die „Liste der unentbehrlichen Arzneimittel“ auf. Bereits seit 1977 war der Aspirin™-Wirkstoff als „unentbehrliches Medikament“ dort aufgeführt.
Rückkauf des Firmennamens in den USA
1994 erfolgte die Übernahme des nordamerikanischen Selbstmedikationsgeschäfts der Firma Sterling Winthrop. Dies war ein Meilenstein in der Firmengeschichte, denn mit dieser Akquisition gingen gleichzeitig die Rechte am Firmennamen „Bayer“ in den USA wieder in den Besitz der Bayer AG über. Nach 75 Jahren konnte das Unternehmen wieder unter seinem Firmennamen und dem Bayer-Kreuz in den USA auftreten. 1995 wurde die amerikanische Miles Inc. in Bayer Corporation umbenannt.
Um für die Herausforderungen der Zukunft noch besser gerüstet zu sein, hatte Bayer neben den Pharma-Forschungszentren in Europa (Wuppertal) und Nordamerika (West Haven/USA) in Japan ein drittes Standbein geschaffen: Das Forschungszentrum der Bayer Yakuhin Ltd., der japanischen Pharma-Tochtergesellschaft des Konzerns, wurde 1995 in Kansai Science City bei Kyoto eingeweiht. Die „Pharma-Forschungstriade“ Europa-Nordamerika-Japan war damit in ihren Grundzügen komplett. Ergänzt wurde sie in den folgenden Jahren durch zahlreiche Kooperationen mit innovativen Unternehmen aus dem Bereich der Biotechnologie.
Im Jahr 2000 übernahm Bayer das Polyol-Geschäft des US-Unternehmens Lyondell Chemical Company und avancierte damit zum weltgrößten Hersteller von Polyurethan-Rohstoffen. 2001 erwarb Bayer für 7,25 Milliarden Euro Aventis CropScience und schloss damit im Pflanzenschutz zur Weltspitze auf. Am 6. Dezember beschloss die Konzernleitung die Gründung eigenständiger Geschäftseinheiten, die unter dem Dach einer strategischen Holding strukturell verbunden bleiben.
2001-2019: Der strategische Wandel der Bayer AG
Vom Chemiekonzern zum globalen Dreiklang aus den Divisionen Crop Sciences, Pharmaceuticals und Consumer Health
Die Bayer AG hat in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Neuausrichtung durchlaufen, die sie von einem traditionellen Chemiekonzern zu einem führenden globalen Unternehmen mit den drei Kern-Divisionen Crop Science, Pharmaceuticals und Consumer Health entwickelt hat. Die Akquisition von Aventis CropScience im Jahr 2001 war der erste Schritt hin zu einer strategischen Neuausrichtung.
Die Jahre 2003 bis 2005 waren geprägt von einer Reihe von Umstrukturierungen und gezielten Übernahmen, die Bayer halfen, seine Marktposition zu stärken und zu erweitern. Die Übernahme des Consumer-Health-Geschäfts von Roche im Jahr 2005 positionierte Bayer als einen der weltweit führenden Anbieter von verschreibungsfreien Arzneimitteln und unterstrich das Engagement des Unternehmens, im Gesundheitssektor zu wachsen.
Ein weiterer entscheidender Schritt war die Integration der Schering AG im Jahr 2006, die die Pharmadivision von Bayer erheblich stärkte. Diese Akquisition ermöglichte es Bayer, seine Präsenz im Pharmamarkt auszubauen und innovative medizinische Lösungen zu entwickeln. Die strategische Fokussierung auf den Gesundheitssektor wurde durch die Akquisition von Algeta im Jahr 2014 weiter untermauert, wodurch Bayer sein Onkologie-Geschäft verstärkte.
Neben den Akquisitionen und internen Neustrukturierungen spielte die Ausgliederung von Unternehmensbereichen eine wesentliche Rolle in der strategischen Neuausrichtung von Bayer. Im Jahr 2005 wurde die Lanxess AG vom Bayer-Konzern getrennt. Ein weiterer bedeutender Schritt war die Ausgliederung von Bayer MaterialScience, das seit 2015 unter dem Namen Covestro firmiert. Covestro wurde zunächst als wirtschaftlich und rechtlich eigenständige Tochtergesellschaft der Bayer AG geführt und gab im Oktober 2015 ihr Debüt am Aktienmarkt. Im Jahr 2019 setzte Bayer seine Neuausrichtung fort, indem es den Verkauf seines Animal-Health-Geschäfts an Elanco Animal Health sowie den Verkauf seiner Anteile am Chemiepark-Betreiber Currenta an MIRA-Fonds bekanntgab.
Diese Ausgliederungen unterstützten Bayer dabei, sich auf die strategischen Wachstumsbereiche zu konzentrieren und die Innovationskraft in den Divisionen Crop Science, Pharmaceuticals und Consumer Health zu stärken.
Im Bereich der Agrarwissenschaften setzte Bayer mit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 einen wichtigen Meilenstein. Diese Akquisition machte Bayer zu einem der führenden Anbieter im Bereich der Agrarwissenschaften und ermöglichte es dem Unternehmen, innovative Lösungen für die Herausforderungen der globalen Landwirtschaft zu entwickeln. Die Integration von Monsanto in Bayer Crop Science stärkte die Position des Unternehmens als globaler Marktführer in der Agrarwirtschaft.
Bayer Logo in St Louis
Ein neues Kapitel
Am 1. Juni 2023 trat Bill Anderson sein Amt als neuer Vorstandsvorsitzender der Bayer AG an. Seine wichtigste Aufgabe sollte sein, die rechtlichen Risiken einzuhegen, die sich aus der Übernahme von Monsanto ergeben hatten. Gleichzeitig startete Bayer die Einführung des neuen Organisationsmodells „Dynamic Shared Ownership“ (DSO). Ziel ist es, Innovationen zu beschleunigen sowie Landwirte, Patienten und Konsumenten konsequent in den Mittelpunkt aller Aktivitäten zu stellen. Bayer setzt dabei nicht mehr auf traditionelle Hierarchien, sondern auf die Expertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eigenständig Entscheidungen treffen können. DSO soll nachhaltiges Wachstum und Mehrwert für unsere Kunden, Mitarbeiter und Stakeholder fördern und helfen den Fokus zu richten auf die Mission von Bayer „Health for all, Hunger for none“.